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FX-Risiken absichern: Best Practice und warum ein negativer Swap-Punkt kein Hedge-Kostenfaktor ist

1. Ausgangslage: Die Offerte und das latente Währungsrisiko

Bild von Fine Photographics aus Unsplash

Ein Schweizer Hersteller von Maschinen steht kurz davor, einem kanadischen Kunden eine Offerte zu unterbreiten. Der Kunde verlangt die Preisstellung in CAD, während die Kostenbasis des Herstellers heterogen ist:

  • 35% in EUR (Komponenten aus Europa),
  • 40% in USD (Elektronik & Halbleiter),
  • 25% in INR (Vorstufen der indischen Tochter).

Obwohl die funktionale Währung CHF ist, besteht das wirtschaftliche FX Exposure also aus einem Korb aus EUR, USD und INR. Bereits in der Offertenphase muss dies berücksichtigt werden: Es reicht nicht, nur CAD/CHF zu sichern – die Inputkosten in Fremdwährungen bestimmen die Marge wesentlich mit. Mit anderen Worten, eine Absicherung sollte nicht nur von der Verkaufsseite her erfolgen, sondern auch von der Einkaufsseite. Aus Transparenzgründen brutto.

Beispiel: Offertenkalkulation

  • Verkaufspreis in CAD: CAD 30 Mio.
  • FX Spot (CAD/CHF): 0.66 → entspricht CHF 19.8 Mio.
  • Kostenkalkulation in CHF (synthetisch, via EUR, USD, INR Exposure umgerechnet): CHF 15 Mio.
  • Zielmarge: CHF 4.8 Mio.

Zur Absicherung in der Angebotsphase simuliert der Treasurer den Wert einer Plain Vanilla Put Option CAD/CHF, Strike = Forwardkurs in 2 Monaten, Laufzeit = Verhandlungsdauer.
Das Ergebnis: Ein impliziter Offertenkurs von 0.6580 CAD/CHF wird angenommen, sodass der Kunde ein fixes Angebot in CAD erhält, während das Unternehmen intern gegen FX-Risiken abgesichert ist. Ob das Unternehmen nun eine Option kauft oder nicht, hängt vom Risikoappetit ab. Doch nur schon der Umstand, dass ein Optionskurs als Basis dient, beinhaltet auch das kalkulatorische «echte» Währungsrisiko!


2. Vertragsgestaltung: Einbau von Flexibilität und Risikoteilung

Beim Vertragsabschluss wird der Preis fixiert: CHF 20 Mio. (entspricht CAD 30,3 Mio. bei Spotkurs 0.66). Zusätzlich wird eine Währungsklausel eingebaut: ±10% Abweichung des CAD/CHF Kurses führen zu Nachverhandlung.

Zahlungsplan:

a) Verkaufsseite

  • 15% bei Vertragsabschluss → CHF 3 Mio.
  • 15% nach 3 Monaten → CHF 3 Mio.
  • 25% nach 6 Monaten → CHF 5 Mio.
  • Restzahlung nach Lieferung (9 Monate) → CHF 9 Mio.

Der Treasurer matcht diese Zahlungsströme mit Forwards auf die jeweiligen Fälligkeiten:






Unterschied von CHF 0.15 Mio. ist rein Swap-Point-bedingt (= Zinsdifferenz).

b) Einkaufsseite

  • Gesamtkosten = CHF 15 Mio. (vgl. Kalkulation aus Offertenphase).
  • 35% EUR = CHF 5.25 Mio.
  • 40% USD = CHF 6.00 Mio.
  • 25% INR = CHF 3.75 Mio.

(Umrechnung in Fremdwährungen zu Spotkursen, angenommene Spot-Rates für Illustration:)

  • EUR/CHF = 0.95 → EUR 5.53 Mio.
  • USD/CHF = 0.90 → USD 6.67 Mio.
  • INR/CHF = 0.012 → INR 312.5 Mio.


Interpretation

  • EUR und USD Komponenten fallen zufällig zeitgleich nach ~1.5 Monaten an → Treasurer kann hier sogar überlegen, die Hedges als Paket (Cross Netting) zu fahren. Aus Gründen der Transparenz sollte jedoch darauf verzichtet werden.
  • INR Komponente liegt zeitlich später (4 Monate) → separat mit NDF abzusichern.

Die leichten Differenzen (CHF –0.05 Mio. total) resultieren wieder aus Swap Points / NDF-Prämien, d.h. reine Zinsdifferenzen.
Netto betragen die Swap-Points in diesem Beispiel - CHF 0.15m + CHF 0.05m = -0.1 CHFm 


3. Lieferverzögerung und Treasury-Anpassung

Nach zwei Monaten ergibt sich eine Lieferverzögerung um 4 Wochen. Die zweite, dritte und letzte Tranche verschieben sich um je 3 Wochen. Der Treasurer reagiert mit einem Forward Starting Swap:

  • Die ursprünglichen Forwards werden glattgestellt.
  • Neue Fälligkeiten werden durch Swaps nach hinten verschoben.

So bleibt die Absicherung intakt, ohne dass offene Positionen entstehen.





Total zusätzliche „Kosten“ aus Swap Points = –CHF 0.013 Mio. (= Zinsdifferenz auf 3 Wochen).

3a Buchungssicht – operative vs. finanzielle Komponent

a) Operative FX-Wirkung (oberhalb EBIT)

  • Spotkomponente der Forwards: Fixierung von 20.00 Mio. CHF Umsatz.
  • Schützt die Marge gegenüber CAD-Schwankungen.

b) Finanzielle FX-Wirkung (unterhalb EBIT)

  • Swap Points (–0.15 Mio. CHF plus –0.013 Mio. CHF durch Verschiebung).
  • Entspricht Opportunitätskosten durch tieferes CHF-Zinsniveau.

Interpretation:
Hätte der Verkäufer die CAD-Zahlungen von Beginn an in voller Höhe erhalten, hätte er sie zu CAD-Zins angelegt und am Ende durchgerechnet denselben Effekt erzielt. Deshalb sind die Swap Points kein Hedge-Kostenblock, sondern spiegeln nur den Zeitwert des Geldes wider und können deshalb im Finanzteil der GuV abgebildet werden.  Mehr dazu im folgenden Abschnitt 4.

Analog für die Einkaufsseite, nur schafft der Verkäufer der Fremdwährungen, also die Bank, bereits die Beträge am Geldmarkt an zwecks Absicherung der eigenen Position und erzielt damit einen Zinsvorteil, den die Bank an den Kunden abzgl. Spread weitergibt. 

(In eigener Sache: ich selbst war am Anfang meiner Karriere im Devisenhandel bei einer Schweizer Grossbank in Zürich und habe dies genau so ausgeführt, daher kenne ich beide Seiten des Geschäfts sehr gut. Der Terminhändler sichert seine Position für die Spotkomponente am Spotdesk ab und die Terminkomponente am Geldmarkt-Desk)


3b Darstellung für CFO/Management

  • Gesamtabsicherung: CHF 20.00 Mio. fixiert.
  • Rechnerischer Abschlag (Swap Points): CHF –0.163 Mio.
  • Wirkung EBIT: unverändert – Marge ist geschützt.
  • Wirkung Finanzergebnis: –0.163 Mio. (entspricht Zinsdifferenz, kein „Hedge-Kostenblock“).


4. Die Zinsdifferenz und der scheinbare „Hedge-Kostenblock“

Kanadische Dollar (CAD) haben eine höhere Marktrendite als Schweizer Franken (CHF). Dadurch notiert der CAD/CHF Forwardkurs niedriger als der Spotkurs (sog. „negative Swap Points“).

Rechenbeispiel:

  • Spot: 0.6600
  • 6-Monats-Forward: 0.6550
  • Differenz: –0.0050 (–75 Basispunkte p.a.)
FX Hedging ist Kostenneutral

Auf den ersten Blick könnte das so intepretiert werden: „Unser Hedge kostet uns Geld“. Doch dieser Eindruck stimmt nicht.
Warum ist das kein echter Kostenblock?

Wenn das Unternehmen die CAD sofort erhalten würde (d.h. der Kunde hätte zu Vertragsbeginn gezahlt), hätte der Treasurer diese CAD am Markt anlegen können – zum höheren CAD-Zins. Da das Unternehmen die CAD jedoch erst sukzessive bekommt, reflektiert der Forwardkurs lediglich diese Zinsdifferenz.

Mit anderen Worten: der Forward ist zinsneutral. Es wird kein Wert vernichtet, sondern die Opportunitätskosten werden transparent gemacht.

5. Bilanzierung & Darstellung im EBIT

Die Bewertung von FX-Absicherungen lässt sich in zwei Komponenten zerlegen:

  1. Spotkomponente → betrifft den eigentlichen Wechselkurs und gehört in die operative GuV (oberhalb EBIT, da es die Marge schützt).
  2. Zinsdifferenzkomponente (Swap Points) → entspricht einem Finanzierungseffekt und kann unterhalb EBIT verbucht werden.

Damit wird verhindert, dass man die Swap-Points fälschlicherweise als operative Hedgekosten interpretiert.


6. Fazit

  • Bereits in der Offertenphase muss das globale Kosten-Exposure einbezogen werden.
  • Vertragsgestaltung mit Währungsklauseln reduziert Extremrisiken.
  • Forwards und Swaps sichern Cashflows effizient ab, auch bei Lieferverzögerungen.
  • Swap Points sind keine Hedgekosten, sondern spiegeln lediglich die Zinsdifferenz zwischen den Währungen wider.
  • Eine saubere Bilanzierungstrennung zwischen operativer FX-Komponente und Finanzierungseffekt sorgt für Transparenz gegenüber CFO, Executive Management, Verwaltungsrat und Aktionär.


Die Botschaft: Professionelles FX-Management kostet nichts – es schützt die Marge.

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